Ein abgefahrenes Profil...
Ich wollte ursprünglich nur gebrauchte Felgen über Kleinanzeigen loswerden. Jetzt lasse ich einige Gedanken zu den Parallelen zwischen Recruiting und dem Verkauf über Kleinanzeigen-Portale auf dich los.
Montagabend, 18:00 Uhr. Ich gehe an die Garage und bahne mir meinen Weg zu den alten Felgen meiner Schwiegereltern. Sie liegen in der hintersten Ecke. Die Reifen noch dran. Das Profil? Nennen wir es gut abgefahren.
Seit einiger Zeit habe ich sie bei Kleinanzeigen inseriert. Nicht zum ersten Mal ;) Bei manchen Dingen braucht es einfach etwas länger, bis man sie an den Mann (m/w/d) bringt.
Kommt dir vielleicht bekannt vor? Aus dem Recruiting?
18:15 - die Felgen mit dem abgefahrenen Profil liegen inzwischen vor der Haustür. Bereit zur Abholung - der Mensch wir sicher gleich kommen. Er hat ja geschrieben, er könne zwischen gegen halb sieben da sein.
18:30 - ich nutze die Wartezeit, um einfach mal etwas Unkraut auf dem Gehweg zu "pflücken".
18:45 - der Unkraut-Salat könnte angerichtet werden. Wir wollten eh gleich essen. Wenn der Mensch wegen der Reifen da war.
19:00 - Essen fertig. Der Mensch noch immer nicht da. Ich packe die Felgen wieder in die Garage und versaue mir meine Kleidung an den Dingern. Sh1t happens. Der Unkraut-Salat landet in der Tonne.
20:00 - kein Lebenszeichen vom Interessenten. Dem, der die Felgen haben wollte. Und plattformüblich bereits im Vorfeld die Spielräume des "VB" erkundet hat.
Bei einem Nutzer mit "NAJA Zufriedenheit" hätte ich den Verlauf des Abends natürlich atizipieren können. Aber naja - was tut man nicht alles, wenn man abgefahrene Profile an den Mann - oder die Frau - bringen möchte.
Kommt dir vielleicht bekannt vor? Aus dem Recruiting?
Freitagmorgen, 7:00 Uhr. Die Kleidung ist längst wieder gewaschen und der Frust über das Nicht-Erscheinen war schon nach dem Essen am Montagabend wieder verflogen. Aber immerhin habe ich jetzt Lust, ein paar Zeilen über die immer wieder erstaunlichen Parallelen zwischen Recruiting und dem Verkauf auf Kleinanzeigenportalen zu schreiben...
Parallelen zwischen Kleinanzeigen und Recruiting.
Das Packaging:
Sowohl bei Kleinanzeigen als auch Stellenanzeigen entscheidet die Verpackung über den ersten Eindruck. Das fängt mit dem Titel an. Ein schlechtes Foto und der Text "16 Zoll Felgen. Total abgefahrenes Profil" bringt dir vermutlich bringt dir vermutlich genauso wenig Anfragen, wie ein schlecht gewählter Stellentitel und ein Inhalt voller Floskeln wie "dynamisches Team", "leistungsgerechte Bezahlung" oder der vielbeschworene Obstkorb.
"Was letzte Preis?"-Mentalität
Wer schonmal versucht hat, gebrauchte Alltagsgegenstände über die gängigen Plattformen zu verkaufen, kennt bestimmt diese eine Frage - "Was letzte Preis?".
Klar, die exakte Wortwahl ist sicher sehr stereotyp und variiert. Unterm Strich macht es aber keinen wirklichen Unterschied, in welchem Wortlaut das Geschacher erfolgt.
Die Käuferseite versucht so gut es geht den Preis zu drücken - ohne das Produkt gesehen zu haben. Der Verkäufer ist natürlich auch nicht blöd und inseriert von vorn herein häufig mit einem höheren Verkaufspreis - meist trifft man sich in der Mitte.
Im Recruiting findet man diese Verhandlungsmentalität in anderem Gewandt. Bewerber fragen z.B. direkt im ersten Satz, nach dem Gehalt oder den Home-Office Tagen noch bevor man über Qualifikationen oder das "abgefahrene (Stellen-)Profil gesprochen hat. Oder bei Hiring Managern, die zwar ein Budget für die Stelle haben, diesen Gestaltungsrahmen aber nach Möglichkeit gar nicht erst ausschöpfen wollen.
Die "Noch da?"-Frage
Bei Kleinanzeigen wie im Recruiter-Leben gibt es sie - die "Noch da?"-Frage. Oder so...
Und ich kann sie sogar (teilweise) nachvollziehen.
Speziell private Verkäufer denken manchmal nicht daran, den Status ihrer Inserate zu aktualisieren, sobald dieser sich geändert hat. Dabei wäre es ein Einfaches, das Produkt z.B. als "reserviert" zu markieren oder nach dem Verkauf direkt komplett zu löschen.
Im Recruiting kann ich die Frage aus anderen Gründen gut nachvollziehen. Sobald eine Stellenanzeige ein Veröffentlichungsdatum enthält, das schon Monate oder über ein Jahr zurückliegt, kann es natürlich sein, dass der Job längst vergeben ist. Das hoffe ICH sogar. Und dann gibt es leider auch Unternehmen, die - um den Schein zu wahren - Stellen ausschreiben, die bis gerade überhaupt nicht besetzt werden und lediglich eine "Uns geht es gut. Wir wachsen"-Wirkung nach Außen tragen sollen.
Ghosting - das plötzliche Schweigen
Wie eingangs berichtet, habe ich es gerade wieder erlebt, was "Ich kann heute zwischen 18:30 und 19:00 Uhr kommen..." bedeutet. Nüchts!
Aber auch im Recruiting kennst du das sicher. Kandidaten tauchen einfach ab. Sie erscheinen nicht zum Vorstellungstermin. Reagieren nicht (mehr) auf Nachrichten. Unterschreiben den Vertrag nicht. Oder erscheinen NIE zum ihrem ersten Arbeitstag.
Dieses plötzliche Schweigen gilt übrigens auch andersrum und HR darf sich da gerne auch mal an die eigene Nase fassen. Denn wie oft hören Kandidaten nach Absenden ihrer Bewerbung genau das hier vom potenziellen Arbeitgeber?
Nüchts! Nücht mal eine nüchterne Eingangsbestätigung.
Ganz einfach nüchts!
Einordnung und Fazit:
Wie du siehst, spielen sich in Recruiting und dem Verkauf auf Plattformen wie Kleinanzeigen.de oft ähnliche Dramen ab. Ganz überraschend ist das nicht. Denn schließlich menschelt es in beiden Welten.
Aber jetzt zu dir - welche Parallelen habe ich vergessen aufzuführen?
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