Das war so nicht geplant
Mir wurden 30 Minuten Zeit an der Haltestelle geschenkt. Und ich habe versucht, diese irgendwie sinnvoll zu nutzen ;)
Eigentlich wollte ich längst im Bus sitzen. Mein Zug zum Umstieg war fast auf die Minute pünktlich. Also nicht im Sinne des aktuell gültigen Fahrplans. Aber immerhin rechtzeitig, um meine direkte Anschlussverbindung gerade so noch zu erreichen.
Noch während des Einfahrens am (kleinen) Bahnhof beobachtete ich, vom Zug aus und in circa 100m Luftlinie, insgesamt 3 Busse an der gegenüberliegenden Bushaltestelle.
Die Reihenfolge wie folgt.
- #1 Der falsche Bus
- #2 Der richtige, weil "mein" Bus
- Bus #3 macht gerade Pause.
Was nun folgte hätte unter normalen Umständen und im Sinne des Fahrplans eigentlich nicht passieren sollen. Mit einem Mal scherte Bus #2 zum Elefantenrennen an der Bushaltestelle aus. Er scherte aus und am ebenso voluminösen Bolliden #1, dem falschen Bus, an vorderster Stelle vorbei. Mit der Folge, dass er den Bus-Bahnhof exakt 2 Minuten zu früh den Bahnhof verließ - ohne auf mich und andere sichtlich genervte Fahrgäste zu warten.
Ich suche nach Analogien mit dem Recruiting...
Während ich da nun also sitze, versuche ich das Beste aus der Situation zu machen - und suche nach Analogien der Situation mit dem Recruiting, denn auch hier gibt es Dinge wie (Zeit-)Pläne, Experience, etc.
1) Festgelegte Haltestellen (Phasen des Prozesses):
So wie eine Bahnlinie bestimmte Stopps anfährt, durchläuft das Recruiting (bestenfalls) vorab definierte Phasen:
- von der Bedarfsanalyse
- über das Screening
- und die Interviews
- bis hin zur Vertragsunterzeichnung.
Jede Station muss passiert werden, um das Ziel (die Einstellung) zu erreichen.
2) Taktung und Zeitplan (Time-to-Hire):
Ein Fahrplan im echten Leben gibt Abfahrts- und Ankunftszeiten vor. Im Recruiting entspricht dies dem Recruitingzeitplan, der festlegt, wann welche Schritte (z. B. Rückmeldung nach 48 Stunden) erledigt sein müssen, um den Prozess effizient zu halten. Und um Kandidaten nicht an schnellere Wettbewerber zu verlieren. Auch Kandidaten planen meist voraus und haben ein klares Bild davon, wann ihr neuer Job nach Möglichkeit starten sollte.
Was in dem Prozess oft fehlt ist eine Art Echtzeit-Fahrplanauskunft (die sich auch während der Fahrt aktualisiert). Denn schließlich kann es auch bei den besten Fahrplänen zu unvorhergesehenen Verzögerungen kommen,
- z.B. durch "unbefugte Hiring Manager auf dem Streckenabschnitt"
- oder "Verspätung aufgrund fehlenden Personals"
3) Die Reise des Fahrgasts - oder Kandidaten:
Unter der Candidate Journey versteht man gemeinhin die „Reise“ eines Bewerbers hin zu und bestenfalls durch das Unternehmen. Sie umfasst die Touchpoints von der ersten Recherche (der Suche nach der richtigen Linie) bis zum „Ankommen“ im Job (Onboarding).
Eine schlechte Anbindung oder Verspätungen im Prozess führen, wie im ÖPNV, zu Frust und ggf. sogar zum Abbruch der Reise.
4) Liniennetz und Kanäle:
Die Auswahl der richtigen Kanäle (Jobbörsen, Social Media, Suchmaschine, Klassische Medien) ähnelt der Linienplanung eines ÖPNV-Unternehmens. Arbeitgeber sollten dort „präsent“ sein, wo ihre Zielgruppe zusteigen könnte.
In Ballungsräumen (wörtlich = in Städten; übertragen = bei mehreren FTEs) sind Taktung und mögliche Verbindungen / Linien oft höher. In ländlichen Regionen oder in „peripheren“ Fachkräftemärkten erfordert es u.U. ein noch gezielteres Sourcing - bis hin zum Ruftaxi ;)
5) Verlässlichkeit und Kommunikation:
Fahrgäste benötigen klare Informationen über Gleise und Zeiten. Bewerber erwarten ebenso Transparenz über den Status ihrer Bewerbung. Unvorhergesehene „Umleitungen“ oder Verzögerungen ohne Information schaden der Arbeitgebermarke. Das gilt nicht zuletzt auch dann, wenn Kandidaten darüber informiert werden, dass man sich bei dieser Position leider für eine noch besser geeignete Person entschieden habe. Und gleichzeitig die selbe Position wieder neu auf den gängigen Plattformen ausgeschrieben wird.