Sommer im Recruiting
Die Sonne scheint und die Urlaubszeit ist in vollem Gange. Wieder einmal erleben wir vielerorts das klassische Sommerloch im Recruiting. Bevor jetzt aber alle meine HR-Freunde den Kopf in den S(tr)and stecken, lasst uns kurz die Perspektive wechseln.
Gemeinsamkeiten zwischen Sonne, Strand und Recruiting.
Sommer im Recruiting? Ja, da kann man schonmal ins Schwitzen kommen. Damit du die von Urlaubsvertretungen und unzähligen Autorespondern geprägte Jahreszeit etwas gelassener meisterst, habe ich ein paar lose Gedanken dazu in Worte gefasst. Konkret dazu, welche Parallelen und Querverknüpfungen es zwischen den Recruiting-Herausforderungen in der Ferienzeit und den Dynamiken am zwischen Hotel und Strand gibt.
Wenn die Pipeline im Sand verläuft. Weil gerade alle am Strand chillen.
Jedes Jahr im Sommer grüßt das braungebrannte Urlaubs-Murmeltier die HR-Abteilungen. Für das Recruiting bringt diese Phase drei handfeste Herausforderungen mit sich:
- Abstimmungs-Vakuum: Genau der Fachbereichsleiter (m/w/d), der die finale Entscheidungen treffen müsste, sitzt gerade in der Toskana. Interviews verzögern sich um Wochen. Und ist der Hiring Manager (m/w/d) endlich wieder da, fehlt auf einmal jemand im Recruiting-Team. Und ist der zuständige Recruiter (m/w/d) dann wieder zurück, übergibt er den Staffelstab des Urlaubens an die lieben Kandidaten.
- Active Sour..., nein Abtauching: Der Laptop des Kandidaten blieb zuhause. Das Smartphone im Hotelzimmer. Und LinkedIn? Das wurde entweder komplett deinstalliert oder zumindest gilt der Fokus erstmal anderen Plattformen wie Instagram, TikTok und Co...
- Time-to-Hire-Killer: Dank langatmiger Feedbackschleifen schießt die Time-to-Hire in die Höhe. Top-Talente springen ab, weil der Prozess stagniert.
Denn Hand aufs Herz: Recruiting und Urlaub haben überraschend viel gemeinsam!
Einige Parallelen zwischen Recruiting und Urlaub
1.) Die Sache mit dem Handtuch
Wer kennt es nicht? Um 6:00 Uhr morgens werden die besten Plätze an Pool oder Strand mit dem Handtuch* reserviert. Und danach geht es wahlweise nochmal ab ins Bett oder direkt ans Frühstücksbüffet. Aber wer im Urlaub die Nase vorn haben möchte, muss manchmal eben den Ärger anderer Hotelgäste hat man sich ziehen.
A propos Ärger - war dieser vor Urlaubsbeginn nur groß genug, stellt sich mit zunehmendem Abstand zum alltäglichen Trubel in der Firma womöglich ganz schnell folgende Erkenntnis beim potenziellen Wunschkandidaten ein:
Es wird Zeit das Handtuch zu werfen. Aber nicht am Pool sondern beim aktuellen Arbeitgeber.
Und wer weiß? Vielleicht hat er oder sie das Handy ja doch dabei und hängt nicht nur am Pool sondern zumindest zeitweise auch auf LinkedIn ab. Dann lohnt es sich unter Umständen doch, als Recruiter ein Handtuch auf den spannenden Kandidaten zu werfen ;)
2.) Die Sache mit der Abwesenheitsnotiz
Auch das kommt dir sicher bekannt vor. Hochmotiviert versendest du deine mit Herzblut oder KI verfassten E-Mails oder LinkedIn InMails. In freudiger Erwartung darauf, schon in Kürze eine Antwort auf deine Nachricht von Kandidaten oder Kollegen (m/w/d) zu erhalten.
Erhalten tust du aber lediglich einen Autoresponder vom Hiring Manager. Oder eine lange Funkstille vom Wunschkandidaten. Denn welcher Kandidat hat schon einen Autoresponder auf seiner privaten E-Mail eingerichtet... Aber hey - vielleicht bist du ja mit dem Kandidaten schon richtig dicke und er schickt dir einen
Initiativ-Autoresponder: eine Postkarte aus dem Urlaubsdomizil
Mit etwas Glück kommt diese sogar erst an, wenn du ihm eine Absage im Recruiting-Prozess erteilen musstest.
3.) Die Sache mit der Animation
Unter einem Animateur (von frz. animateur) versteht man einen professionellen Unterhalter in Ferienclubs, Hotels oder auf Kreuzfahrtschiffen. Zu ihren typischen Aufgaben zählen etwa ganztägige Unterhaltungsprogramme, z.B. Sport-, Spiel- und Kreativangebote, Tanz- und Showdarbietungen oder auch die Kinderbetreuung. Durch sie soll gute Laune verbreitet und dafür Sorge getragen werden, dass sich die Gäste nicht langweilen.
In HR-Abteilungen gibt es häufig eine Sonderform davon - die sogenannten Recruiteure (m/w/d). Speziell im Sommer fungieren sie oftmals als Allein-Unterhalter für die an der Stellenbesetzung beteiligten Parteien. Sie rennen wahlweise dem Fachbereich oder schwer erreichbaren Bewerbern hinterher. Zudem dürfen sie immer wieder kreative Lösungen finden, um den Recruiting-Prozess dennoch irgendwie am Laufen zu halten - etwa indem sie sich auf den Kopf stellen und seltsame Tanz- und Showeinlagen praktizieren, um zumindest irgendeine Reaktion zu erzielen.
4.) Die Sache mit dem Risiko
In Ulm, um Ulm und um Ulm herum gibt es jede Menge Stolperfallen - vorausgesetzt, wir sprechen über Ulm als Urlaubsdestination.
Da ist es wichtig, sich rechtzeitig gegen etwaige Risiken abzusichern - etwa mit einer Reiseunfall-, Reisegepäck- oder Reiseunfallversicherung.
Nun bin ich alles andere als ein Versicherungsexperte und würde nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass solche Versicherungen bei Inlandsreisen, z.b. nach Ulm überhaupt eine Rolle spielen. Was ich aber weiß - auch das Recruiting ist nicht frei von Risiken. Und ich spreche nicht einmal von den Fallstricken des AGG. Ich denke vielmehr an das Risiko von Fehlbesetzungen oder No-Shows. In der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern werden daher gerne Nachbesetzungsgarantien oder mehrstufige Provisionsregelungen als Pendant zur Reiseversicherung vereinbart.
5.) Aber ist doch alles Banane, oder?
Während sich Recruiter, Hiring Manager und Kandidaten am Strand in der Sonne bräunen und den Ritt auf dem Banana-Boat übers Mittelmeer wagen, wechselt die heimische Banane im Obstkorb* ihren Farbton von grün zu gelb zu braun.
Fazit:
Ich brauche ganz offensichtlich auch mal wieder Urlaub und freue mich über familienfreundliche Reisetipps in den Kommentaren unter diesem Artikel 😂